Liebe Kolleginnen und Kollegen
Ich frage euch: Wo sind die Gewinne der letzten fetten Jahre geblieben? Unsere Wirtschaft lief wie geschmiert und wir Arbeitnehmenden haben dieses Wunder ermöglicht. Wir haben gut gearbeitet, wir haben viel geleistet und wir haben grosse Gewinne erwirtschaftet. Aber wir haben von diesen Gewinnen nicht profitiert. Profitiert haben die Spekulanten, die sogenannten Manager, die Abzocker.
Nun wird der Werkplatz Schweiz von einer massiven globalen Krise geschüttelt und es ist kein Ende in Sicht. Die Aufträge gehen zurück und wir fürchten um unsere Arbeitsplätze und Löhne. Nun ist es höchste Zeit, dass wir aufstehen und unsere Rechte einfordern. Unsere Rechte sind jetzt der Reichen Pflicht!
Wir werden diese Krise nicht bezahlen. Diese Krise darf nicht auf Kosten der Arbeitnehmenden ausgetragen werden.
Wir haben konkrete kurzfristige und langfristige Lösungen für die Schweizer Wirtschaft präsentiert. Bisher wurden unsere Forderungen aber nicht umgesetzt.
Am 9. März 2009 haben sich die Unia-Industriedelegierten direkt vor dem Bundeshaus versammelt. Während der Nationalrat im Bundeshaus über die Finanzkrise und Konjunkturfragen diskutierte, haben über 600 Unia-Delegierte aus mehr als 50 wichtigen Schweizer Industriebetrieben ein 10-Punkte-Programm zur Krisenbekämpfung beschlossen:
Die Delegierten übergaben dem Volkswirtschaftsdepartement von Bundesrätin Leuthard vor dem Bundeshaus eine entsprechende Resolution.
Von Frau Bundesrätin Leuthard hörte man dann aber lange nichts mehr. Statt einer konkreten Wirtschaftspolitik verkündet sie, dass sie auf 10% ihres Lohnes verzichten könnte, als symbolischen Beitrag zur Krisenbekämpfung. Schön, sie kann sich das auch leisten. Wir aber können nicht auf unsere Arbeit und unseren Lohn verzichten.
Statt leeren Worten verlangen wir vom Bundesrat nun endlich Taten.
Wir fordern, dass keine Angestellten mehr entlassen werden. Stattdessen muss bei Auftragsengpässen Kurzarbeit eingeführt und den Arbeitnehmenden ein Weiterbildungsprogramm angeboten werden. In dieser Zeit können Mitarbeitende z.B. im Umgang mit neuen Technologien, im Einsatz und Bedienung von neuen Maschinen, neuen Werkstoffen und Produkten geschult werden. Dies nützt den Angestellten und stärkt das Knowhow der betroffenen Firmen.
Gerade auch im Hinblick auf neue umweltfreundliche Technologien ist ein Wissensvorsprung wichtig um konkurrenzfähig zu werden oder zu bleiben. Ein ökologisch orientierter Umbau der Schweiz ist sehr dringend und vor allem wirklich machbar. Eine solche Entwicklung stärkt den Werkplatz Schweiz und verhindert, dass wir neben der Wirtschafts- und Finanzkrise auch noch tiefer und verheerender in eine grosse Umweltkrise stürzen.
Die Delegierten der Unia haben darum am vorletzten Samstag sieben Forderungen zum ökologischen Umbau und zur nachhaltigen Entwicklung der Schweiz präsentiert. Alle diese Punkte sind sofort realisierbar, sinnvoll für die Umwelt und eine Zukunftschance für unsere Wirtschaft und für die Weiterentwicklung der Schweiz. Als Beispiele gehe ich auf zwei Punkte detaillierter ein.
1. Energieeffizienz und Spartechnologien
Mit der energietechnischen Sanierung von Häusern und Wohnungen kann 30-70% Energie gespart werden. Neue Heizungen, Belüftungen, Materialien und Wärmedämmung schaffen nicht nur Tausende von Arbeitsplätzen, sondern auch qualitativ hochwertige, interessante und zukunftstaugliche Stellen. Schon heute sind in diesem Bereich bis 2500 Stellen geschaffen worden. Mit einer konsequenten Förderung von Energieeffizienz und Spartechnologien können kurzfristig bis zu 6000 neue Stellen und eine wirtschaftlich und ökologisch gute Zukunft für die Schweiz entstehen.
2. Erneuerbare Energien
Eine Erhöhung des Anteils von erneuerbaren Energien auf mindestens 24% bis 2020 muss erreicht werden. Schon das Bundesamt für Energie zielte auf diesen Anteil. Gerade im Bereich Wasserkraft, aber auch Wind-, Geothermie- und Sonnenenergie steckt ein grosses Potential für die Schweiz. Seit dem Jahr 2001 wurden im Bereich erneuerbare Energien etwa 1,5 Mia. Franken Umsatz erreicht. Damit konnten rund 7'000 Personenjahre Arbeit geschaffen werden. Ein weiterer Ausbau und eine Erhöhung der erneuerbaren Energie auf 24% ist also das absolute Minimum und schafft dann schon Tausende von neuen Stellen.
Der ökologische Umbau birgt viele industrielle Chancen. Fast die Hälfte der in den letzten zwei Jahren neu geschaffenen industriellen Arbeitsplätze, wurde durch Umwelttechnik und Innovationen ermöglicht. Die Schweizer Unternehmen bewegen sich aber oft noch in kleinen Nischen, darum fordern wir hier vom Bundesrat und Politikerinnen und Politikern endlich einen echten Effort.
Der Fortbestand eines starken Wirtschaftstandortes Schweiz ist machbar und realistisch. Dazu müssen sich der Bundesrat, die Politik und die Arbeitgebenden aber endlich bewegen und die Chancen nutzen. Ein klares Bekenntnis der Politik zum Industriestandort Schweiz ist überfällig. Das müssen wir jetzt mit aller Macht einfordern.
Die Krise eskaliert - die Untätigkeit des Bundesrates wird untragbar. Wir haben unsere konkreten, guten und nachhaltigen Vorschläge präsentiert. Wir wollen eine Schweiz, die uns heute und morgen anständige Arbeit, gute Löhne und eine sichere Versorgung gewährleistet. Das sind wir uns, aber auch unseren Nachkommen schuldig.
Wir akzeptieren nicht, dass unsere Arbeitsplätze vernichtet und wir und unsere Kolleginnen und Kollegen unsere Jobs verlieren. Wir akzeptieren nicht, dass unsere Renten gekürzt und die Sozialversicherungen geschwächt werden. Wir akzeptieren nicht, dass unsere Jugend ohne Lehrstellen und ohne berufliche Zukunft dasteht.
Dagegen müssen wir uns wehren. Darum danke ich euch, dass ihr heute hierher gekommen seid. Die heutige Protestaktion ist ein wichtiges Zeichen dafür. Wir werden weiter für unsere Rechte kämpfen müssen und wir müssen nun Druck aufbauen. Wir müssen diesen Druck von der Firma und der Strasse in das Bundeshaus, in den Regierungsrat, in die Arbeitgeberverbände und in die Chefetagen der Firmen tragen. Wir dürfen nicht locker lassen, bis sich endlich etwas bewegt in diesem Land.
Ich wünsche uns einen erfolgreichen Kampf! Wenn wir zusammenstehen werden wir gewinnen.
15.06.2009 Hedi Strahm, Präsidentin Unia Winterthur
Ich frage euch: Wo sind die Gewinne der letzten fetten Jahre geblieben? Unsere Wirtschaft lief wie geschmiert und wir Arbeitnehmenden haben dieses Wunder ermöglicht. Wir haben gut gearbeitet, wir haben viel geleistet und wir haben grosse Gewinne erwirtschaftet. Aber wir haben von diesen Gewinnen nicht profitiert. Profitiert haben die Spekulanten, die sogenannten Manager, die Abzocker.
Nun wird der Werkplatz Schweiz von einer massiven globalen Krise geschüttelt und es ist kein Ende in Sicht. Die Aufträge gehen zurück und wir fürchten um unsere Arbeitsplätze und Löhne. Nun ist es höchste Zeit, dass wir aufstehen und unsere Rechte einfordern. Unsere Rechte sind jetzt der Reichen Pflicht!
Wir werden diese Krise nicht bezahlen. Diese Krise darf nicht auf Kosten der Arbeitnehmenden ausgetragen werden.
Wir haben konkrete kurzfristige und langfristige Lösungen für die Schweizer Wirtschaft präsentiert. Bisher wurden unsere Forderungen aber nicht umgesetzt.
Am 9. März 2009 haben sich die Unia-Industriedelegierten direkt vor dem Bundeshaus versammelt. Während der Nationalrat im Bundeshaus über die Finanzkrise und Konjunkturfragen diskutierte, haben über 600 Unia-Delegierte aus mehr als 50 wichtigen Schweizer Industriebetrieben ein 10-Punkte-Programm zur Krisenbekämpfung beschlossen:
- ein sofortiges drittes Investitionspaket von mindestens 5 Milliarden
- die Versorgung der KMU-Betriebe mit fairen Krediten
- die Stärkung der Kaufkraft durch den vollen Teuerungsausgleich und gerechte Löhne für Männer und Frauen
- eine Weiterbildungsoffensive
- Kurzarbeit statt Entlassungen
- und der Erhalt unserer Sozialwerke
Die Delegierten übergaben dem Volkswirtschaftsdepartement von Bundesrätin Leuthard vor dem Bundeshaus eine entsprechende Resolution.
Von Frau Bundesrätin Leuthard hörte man dann aber lange nichts mehr. Statt einer konkreten Wirtschaftspolitik verkündet sie, dass sie auf 10% ihres Lohnes verzichten könnte, als symbolischen Beitrag zur Krisenbekämpfung. Schön, sie kann sich das auch leisten. Wir aber können nicht auf unsere Arbeit und unseren Lohn verzichten.
Statt leeren Worten verlangen wir vom Bundesrat nun endlich Taten.
Wir fordern, dass keine Angestellten mehr entlassen werden. Stattdessen muss bei Auftragsengpässen Kurzarbeit eingeführt und den Arbeitnehmenden ein Weiterbildungsprogramm angeboten werden. In dieser Zeit können Mitarbeitende z.B. im Umgang mit neuen Technologien, im Einsatz und Bedienung von neuen Maschinen, neuen Werkstoffen und Produkten geschult werden. Dies nützt den Angestellten und stärkt das Knowhow der betroffenen Firmen.
Gerade auch im Hinblick auf neue umweltfreundliche Technologien ist ein Wissensvorsprung wichtig um konkurrenzfähig zu werden oder zu bleiben. Ein ökologisch orientierter Umbau der Schweiz ist sehr dringend und vor allem wirklich machbar. Eine solche Entwicklung stärkt den Werkplatz Schweiz und verhindert, dass wir neben der Wirtschafts- und Finanzkrise auch noch tiefer und verheerender in eine grosse Umweltkrise stürzen.
Die Delegierten der Unia haben darum am vorletzten Samstag sieben Forderungen zum ökologischen Umbau und zur nachhaltigen Entwicklung der Schweiz präsentiert. Alle diese Punkte sind sofort realisierbar, sinnvoll für die Umwelt und eine Zukunftschance für unsere Wirtschaft und für die Weiterentwicklung der Schweiz. Als Beispiele gehe ich auf zwei Punkte detaillierter ein.
1. Energieeffizienz und Spartechnologien
Mit der energietechnischen Sanierung von Häusern und Wohnungen kann 30-70% Energie gespart werden. Neue Heizungen, Belüftungen, Materialien und Wärmedämmung schaffen nicht nur Tausende von Arbeitsplätzen, sondern auch qualitativ hochwertige, interessante und zukunftstaugliche Stellen. Schon heute sind in diesem Bereich bis 2500 Stellen geschaffen worden. Mit einer konsequenten Förderung von Energieeffizienz und Spartechnologien können kurzfristig bis zu 6000 neue Stellen und eine wirtschaftlich und ökologisch gute Zukunft für die Schweiz entstehen.
2. Erneuerbare Energien
Eine Erhöhung des Anteils von erneuerbaren Energien auf mindestens 24% bis 2020 muss erreicht werden. Schon das Bundesamt für Energie zielte auf diesen Anteil. Gerade im Bereich Wasserkraft, aber auch Wind-, Geothermie- und Sonnenenergie steckt ein grosses Potential für die Schweiz. Seit dem Jahr 2001 wurden im Bereich erneuerbare Energien etwa 1,5 Mia. Franken Umsatz erreicht. Damit konnten rund 7'000 Personenjahre Arbeit geschaffen werden. Ein weiterer Ausbau und eine Erhöhung der erneuerbaren Energie auf 24% ist also das absolute Minimum und schafft dann schon Tausende von neuen Stellen.
Der ökologische Umbau birgt viele industrielle Chancen. Fast die Hälfte der in den letzten zwei Jahren neu geschaffenen industriellen Arbeitsplätze, wurde durch Umwelttechnik und Innovationen ermöglicht. Die Schweizer Unternehmen bewegen sich aber oft noch in kleinen Nischen, darum fordern wir hier vom Bundesrat und Politikerinnen und Politikern endlich einen echten Effort.
Der Fortbestand eines starken Wirtschaftstandortes Schweiz ist machbar und realistisch. Dazu müssen sich der Bundesrat, die Politik und die Arbeitgebenden aber endlich bewegen und die Chancen nutzen. Ein klares Bekenntnis der Politik zum Industriestandort Schweiz ist überfällig. Das müssen wir jetzt mit aller Macht einfordern.
Die Krise eskaliert - die Untätigkeit des Bundesrates wird untragbar. Wir haben unsere konkreten, guten und nachhaltigen Vorschläge präsentiert. Wir wollen eine Schweiz, die uns heute und morgen anständige Arbeit, gute Löhne und eine sichere Versorgung gewährleistet. Das sind wir uns, aber auch unseren Nachkommen schuldig.
Wir akzeptieren nicht, dass unsere Arbeitsplätze vernichtet und wir und unsere Kolleginnen und Kollegen unsere Jobs verlieren. Wir akzeptieren nicht, dass unsere Renten gekürzt und die Sozialversicherungen geschwächt werden. Wir akzeptieren nicht, dass unsere Jugend ohne Lehrstellen und ohne berufliche Zukunft dasteht.
Dagegen müssen wir uns wehren. Darum danke ich euch, dass ihr heute hierher gekommen seid. Die heutige Protestaktion ist ein wichtiges Zeichen dafür. Wir werden weiter für unsere Rechte kämpfen müssen und wir müssen nun Druck aufbauen. Wir müssen diesen Druck von der Firma und der Strasse in das Bundeshaus, in den Regierungsrat, in die Arbeitgeberverbände und in die Chefetagen der Firmen tragen. Wir dürfen nicht locker lassen, bis sich endlich etwas bewegt in diesem Land.
Ich wünsche uns einen erfolgreichen Kampf! Wenn wir zusammenstehen werden wir gewinnen.
15.06.2009 Hedi Strahm, Präsidentin Unia Winterthur
